Mein Weg mit Babys und was Pippi Langstrumpf damit zu tun hat

Mein Weg mit Babys und was Pippi Langstrumpf damit zu tun hat...

Es gibt Geschichten...

Es gibt Geschichten, die uns ein Leben lang begleiten. Eine davon ist für mich die von Pippi Langstrumpf.

Pippi ist mutig, neugierig, stets fröhlich, kreativ und begegnet dem Leben mit einer beeindruckenden Zuversicht. Sie geht ihren eigenen Weg, lässt sich von Herausforderungen nicht entmutigen und findet immer wieder Lösungen. Viele bewundern ihre Stärke. Offensichtlich ist dabei ihre körperliche Stärke. Wenn ich aber heute aus beruflicher Sicht, als Sozialpädagogin auf Pippi schaue, sehe ich noch etwas anderes: Ich sehe ein Kind mit einer tiefen inneren Überzeugung, wertvoll zu sein und alles schaffen zu können. Diese innere Stärke nennen wir in der Fachsprache Resilienz. Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, positiv aus herausfordernden Situationen hervorzugehen, ganz aus eigener Kraft.

Mein Weg

In meiner beruflichen Laufbahn habe ich schon viele Kinder und Jugendliche in unterschiedlichsten Lebenslagen begleitet. Im Grunde bin ich mit den „Großen“ gestartet in der Schulsozialarbeit, habe zwei Jahre lang einen Jugendtreff geleitet, wurde Profi im Kicker- und Billard spielen, habe Halloween Partys veranstaltet, bei Hausaufgaben geholfen aber auch Konflikte gelöst und gebrochene Herzen getröstet. Ebenso durfte ich in einem Kindertreff mit Grundschulkindern toben, basteln, kochen, backen und Abenteuer erleben.

Viele Jahre arbeitete ich dann beim Jugendamt mit Pflegefamilien, um Kindern, die schwierige Startvoraussetzungen im Leben hatten oder deren Familien in schwierige Lebenslagen gerieten, ein Stück auf ihrem Lebensweg zu begleiten.

In dieser Arbeit wurde mir sehr schnell deutlich, wie früh im Leben alle Kinder von ihrem Umfeld geprägt werden und wie wichtig es ist, von Beginn an eine gute Basis zu haben, um die Herausforderungen des Lebens meistern zu können.

Auch hier begegnete mir immer wieder der Begriff Resilienz und auch Pippi, die fernab von ihren leiblichen Eltern ihr Leben meistert, weil sie offensichtlich ihren „sicheren Hafen“ im Herzen trägt und mutig vorangehen kann.

Mit Geburt meiner beiden Söhne erlebte ich das Mama-Sein mit all seinen Höhen und Tiefen und arbeitete während meiner Elternzeit eine Zeit lang mit Kindern mit Behinderung. Zudem erwachte meine Liebe zum Nähen aufs Neue und ich fand meine Erfüllung in meinem kleinen Label, der „Nähzimmerei“, das ich nebenbei führte und das sich hauptsächlich um Stoffe und selbstgenähte Babykleidung drehte.

Über meine eigenen Kinder kam ich so auf meinem Weg dann zuletzt bei den „Kleinsten“ an. Ich durfte über 2 Jahre die Krabbelgruppe bei uns im Ort gestalten und meisterte mit vielen Mamas, Papas, Babys und Kleinkindern die Coronazeit. Als meine beiden Kinder dann den Kindergarten besuchten, ließ ich die Nähzimmerei hinter mir (nur beruflich, nicht als Hobby) und konzentrierte mich ganz auf die Arbeit in den Frühen Hilfen beim Landratsamt. Dieser präventive Ansatz, Familien von Beginn an zu begleiten und zu unterstützen entspricht ganz meiner Überzeugung, dass die Weichen, die früh im Leben gestellt werden, das ganze Leben beeinflussen.

Was heute zählt.

Als PEKiP-Gruppenleiterin darf ich nun Familien in einer ganz besonderen Lebensphase begleiten. Die ersten Monate mit einem Baby sind voller Wunder, aber auch voller Fragen, Unsicherheiten und neuer Erfahrungen.

Immer wieder erlebe ich, wie Eltern glauben, sie müssten alles perfekt machen. Die neuen Medien sind dabei oft mehr oder weniger hilfreich. Manchmal ist es schwierig im Informationsdschungel seinen eigenen Weg als Eltern zu finden und zu gehen. Dabei brauchen Babys keine Perfektion. Sie brauchen Menschen, die sie sehen, ihre Signale wahrnehmen und liebevoll auf ihre Bedürfnisse eingehen. Genau dort beginnt Bindung. Bindung entsteht nicht durch perfekte Elternschaft. Sie entsteht in den vielen kleinen Momenten des Alltags: durch einen liebevollen Blick, tröstende Arme, gemeinsames Lachen, Nähe und das Gefühl der Sicherheit.

Bindung macht stark, Resilienz kann sich entwickeln, wenn ein Kind von Beginn an und immer wieder die Erfahrung macht:

„Ich werde gesehen, ich werde verstanden, ich bin sicher.“

Aus dieser Sicherheit wächst Vertrauen. Vertrauen in andere Menschen – und später auch in sich selbst.

Kinder, die sich sicher gebunden fühlen, trauen sich eher, ihre Welt zu entdecken. Entwicklung, das habe ich in meiner Arbeit beim Jugendamt erlebt und auch in meiner Weiterbildung zur PEKiP-Gruppeleiterin nochmals verinnerlicht, kann nur geschehen, wenn Babys sich sicher fühlen und ihre Grundbedürfnisse erfüllt sind.  

Pippi Langstrumpf erinnert uns daran, wie wichtig Neugier, Fantasie und Selbstvertrauen sind. Sie zeigt, dass man damit seinen eigenen Weg gehen kann und darf.

Doch Kinder entwickeln diese Freiheit nicht aus dem Nichts. Sie entsteht auf einem sicheren Fundament. Vielleicht ist genau das die eigentliche Botschaft hinter Pippis Stärke: Nicht die Abwesenheit von Schwierigkeiten macht uns resilient, sondern die Erfahrungen von Sicherheit, Vertrauen und echter Beziehung. Damit können wir jede Herausforderung meistern.

Was ich Eltern mitgeben möchte ist neben Bewegungs- und Spielanregungen, die sehr viel Freude bereiten vor allem den Blick auf ihr Kind und dessen Bedürfnisse. Und was die PEKiP-Gruppe ohnehin mit bringt ist der so wichtige Austausch der Eltern untereinander, als auch der Kontakt der Babys mit Gleichaltrigen. Denn wenn Eltern sich sicher fühlen, können sie ihrem Kind auch die nötige Sicherheit vermitteln, die Welt zu entdecken.

Vielleich wunderst du dich über das Bild, das ich zu diesem Blogbeitrag gemalt habe. Da ich aus lizenzrechtlichen Gründen keine Pippi Langstrumpf zeigen darf, kam mein Mann auf die schöne Idee, ein Gender-Pendant zu Pippi zu malen. Hier ist er also: Stutzen Pepe. Als Symbol eines starken Kindes mit starken Wurzeln. 

Ich wünsche mir, dass wir Kindern weniger Perfektion und mehr Verbundenheit schenken.